Die Visualisierung von Wissen im „Jahrhundert des Auges“: Otto Neurath, Isotype und Adprint,
2022,
цитирований: 0,
doi.org,
Abstract
ZusammenfassungRudolf Carnap hatte sich in seiner Jugend für Esperanto begeistert. Er erwähnt dies in seiner 1963 erschienenen Autobiographie. Genaueres wissen wir erst, seitdem seine Tagebücher und Teile der Korespondenz zugänglich geworden sind. Kaum hatte er die Sprache gelernt, nahm er 1908 in Dresden am Vierten Esperanto-Weltkongress teil. Es folgte die Teilnahme an drei weiteren Kongressen: Helsinki 1922, Wien 1924 und Genf 1925. Obwohl ihn danach vor allem die Sprachplanung in der symbolischen Logik beschäftigte, bewahrte er sich sein Interesse an internationalen Plansprachen, vor allem an Esperanto. Versuchen, etwa von Giuseppe Peano oder C.K. Ogden, ihn in ein anderes Lager zu ziehen, widerstand er. Zwar musste er spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg einsehen, dass Esperanto wenig Aussicht hatte, sich weltweit durchzusetzen, aber er fühlte sich ihm zeitlebens verbunden. Carnap hob die sprachliche Kraft des Esperanto hervor und den Nutzen und persönlichen Gewinn, den sein Gebrauch bereitete. Esperanto war für ihn Bestandteil seines Vertrauens auf eine friedliche, demokratische Welt. Bis zum Lebensende wirkte nach, was Ludwig Lazarus Zamenhof, der Begründer des Esperanto, in seiner Dresdner Kongressrede beschworen hatte: die Annäherung der Menschen mithilfe einer Sprache, die an keine Nation gebunden ist.